003 Kraftwerke

In dieser Folge unterhalte ich mich mit einem Kraftwerksmeister, also einer “Stimme aus dem Maschinenraum”. Wir machen einen Exkurs in die Evolution der Fremdkraftgewinnung, sprechen über die Funktionsweise eines Kohlekraftwerkes, über die Entwicklung unseres modernen Stromnetzes und über gute und böse Kraftwerke. Klären die Frage, ob Kohlekraftwerke wirklich Umweltschweine sind und ob Wind und Sonne in unseren Breitengraden ernsthafte Konkurrenten für fossile Brennstoffe darstellen. Ein gigantisches Thema, welches sich erschöpfend in zwei Stunden gar nicht behandeln lässt, aber einen erster Einblick, wie ihn klassische Medien sonst kaum gewähren, ist allemal möglich.

Zum Weiterlesen:

Braunkohle . Steinkohle . Dampfmaschine . James Watt . Werner von Siemens . Thomas Alva Edison . Tschernobyl . Renaturierung . LMBV . Stromautobahn . Goldisthal

  • ab Minute 4 erklärt mir mein Gast, warum er geeignet ist mir zum Thema Auskunft zu geben
  • ab Minute 9 reden wir über den Arbeitsalltag eines Kraftwerksmeisters
  • ab Minute 14 besprechen wir, wie ein Kohlekraftwerk funktioniert
  • ab Minute 30 definieren wir den Begriff “Kraftwerk”
  • ab Minute 35 sprechen wir über die Evolution der Fremdkraftgewinnung – vom Wasser-/Windrad über die Dampfmaschine zum Verbrennungsmotor zum Elektrizitätswerk
  • ab Minute 42 geht es um die Einrichtung des ersten Elektrizitätswerk in Berlin, hin zu einer flächendeckenden Versorgung Deutschlands
  • ab Minute 46 erfahren wir etwas über die Entwicklung der kommunalen Strukturen unserer modernen Energieversorgung und von Versorgungsmonopolen
  • ab Minute 51 geht es um die Problematik der Stromverteilung und – weiterleitung
  • ab Minute 53 schweifen wir ab zur Abschaltung der Kernkraftwerke im Süden Deutschlands und den Problemen die sich daraus ergeben
  • ab Minute 56 gehen wir der Frage nach, ob Wind und Sonne mit fossilen Brennstoffen konkurrieren können
  • ab Minute 64 reden wir endlich über Zahlen. Welchen Anteil tragen die unterschiedlichen Formen der Energiegewinnung zum gesamten Energiemix bei?
  • ab Minute 75 überlegen wir, ob wir je ohne regelbare Energieerzeugung auskommen könnten und sprechen über Sinn und Unsinn von Abhängigkeit von der Natur
  • ab Minute 77 klären wir, ob Kohlekraftwerke Umweltverschmutzer sind oder nicht
  • ab Minute 82 gedenken wir den Dörfern, die dem Tagebau zum Opfer gefallen sind
  • ab Minute 84 springen wir ins Kapitel “Energieverbrauch”
  • ab Minute 87 sprechen wir darüber, wie sich Strompreise zusammensetzen
  • ab Minute 91 reden wir über die Entwicklung des Energieverbrauchs
  • ab Minute 92 widmen wir uns den Medien und der Politik und dem was sie uns über Energie erzählen, zum Beispiel über Energiespeicher
  • ab Minute 97 bitten wir um kritischen Umgang mit Medien
  • ab Minute 103 reden wir über “Ich beziehe jetzt Öko-Strom”
  • ab Minute 106 schweifen wir ab ins Kernkraftwerk
  • ab Minute 108 nähern wir uns dem Ende des Gespräches und bedauern, dass wir so viele Bereiche gar nicht ausführlich besprechen konnten

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  • Frank

    Und noch eine Anmerkung zu Windkraft: Deren Anteil ist nicht nur relativ gering, sondern auch extrem ungleichmäßig über die Zeit verteilt:

    http://www.frankshalbwissen.de/2012/09/05/windstrom-alle-rader-stehen-still/

  • stefanolix

    Ein schönes Gespräch. Ein unaufgeregter, sachlicher, informativer Podcast. Zwei Stimmen, denen man gern zuhört. Danke!

  • Orwell Huxley

    Was für eine sympatische Stimme…! (…ja auch der Calimero :P )
    Guter Podcast! Werd gleich die beiden anderen noch hören. Weiter so, Pirattchen. Deine Selbstbeschreibung ist für mich übrigens auch sehr anziehend… :)

  • Frank

    Sehr informativ! Wer sich ernsthaft einbildet, mit Windkraft und Photovoltaik könne man Kohle- oder Atomkraftwerke abschalten, sollte zumindest ein paar Minuten ab 53:40 min zuhören. Kleine Anmerkung zu Biomassekraftwerken: So toll sind die auch nicht. Dafür wird längst Holz importiert, gesunde Bäume werden gefällt und sinnlos verheizt. Und die andere Variante, Biogaskraftwerke, sind eine ökologische Katastrophe, da sie durch die Vermaisung der Landschaft die Artenvielfalt reduzieren und sie sind auch schlecht für den klimaschutz, da sie Methan und CO2 freisetzen.

  • piratte

    Gern geschehen! :)

  • piratte

    Vielen Dank ;)

    Dann hoffe ich, dass dich die beiden ersten Folgen ebenfalls gut unterhalten und du beim Hören vielleicht sogar etwas Neues lernst!

  • piratte

    Noch ein Energie-Frank! Vielen Dank für dein Lob und die Ergänzungen. Über den Sinn und Unsinn des Anbaus von "Energie-Pflanzen" könnte ich eine eigene Sendung machen, es ist ein großes Thema. Mit dem Öko und/oder Bio Label wird ja bedauerlicherweise unglaublich viel Unfug getrieben :/

  • Orwell Huxley

    Lest auch hier mal nach, – jedenfalls diejenigen die sich von “peak-oil” und dergleichen ökoligistischen Lügengeschichten gutwillig haben einlullen lassen:

    http://www.science-skeptical.de/artikel/von-ressourcen-und-rohstoffen-eine-zeitreise/009443/

    @Frank: nettes Blog, werd mich gleich mal mit deinem Halbwissen befassen :D

    @Piratte: Ja, war sehr nett noch, gestern, der Podcast über Genealogie, – der andere vom Limes ist dann heut Abend dran. Und, dazulernen ist doch das was uns alle umtreibt, – oder? :)

    Vielleicht wäre sogar mal ein Videopodcast drin…? Mh… wäre sicher noch vieeeeeel besser :D

    Beste Grüße, -und-

    …schwitzt nicht so bei der frühsommerlich klimawandelerwärmten Erdbeerernte heute….

    :):D

  • Stefan

    Sehr interessant.
    Ich habe den Podcast über Calimeros Link entdeckt, werde mir aber wohl auch die ersten beiden Folgen anhören, da die Themen sehr interessant klingen.
    Endlich auch ein deutschsprachiger Feed in meinem Player!

    Eine kleine technische Anmerkung: Wäre es eventuell möglich, den Podcast auch etwas stärker komprimiert anzubieten? Bei ca. 30Mb pro Stunde ist die Sprachqualität noch immer noch gut und die Downloads werden ca 40% kleiner.

  • piratte

    Du hast Recht! Eine komprimierte und somit kleinere Version anzubieten ist sinnvoll und soll ab der nächsten Episode auch so geschehen :)

  • piratte
  • Lonestarr

    Hallihallo,

    Wirklich schöner Podcast. Kann die Meinung des “Kraftwerkers” wirklich verstehen. Aber bin nicht unbedingt der selben Meinung. Besonders halte ich das Biogas/Biomasse nicht für so gelungen. Besonders weil seit ein paar Jahren im Münsterland fast nur noch Maisfelder anzutreffen sind. Anmerkung Bio-Masse-Mais. Da lobe ich mir doch die Konventionellen Gas-Vorkommen. Und die Schöne North-Stream-Pipeline die von Russland durch die Ostsee nach Greifswald gebaut wurde.

    Zu den Kohlekraftwerken. Ja bin der Meinung das wir diese Brauchen …. NOCH .. Es stimmt auch das der Ausstoß an Schadstoffen besonders an Feinstaub drastisch reduziert wurde. Schön dabei bei der Rauchgasreinigung entsteht Gips und man kann daraus schöne Gipskartonplatten produzieren. Allerdings entsteht bei der Verbrennung von Kohle noch genauso viel CO2 wie vor 40 Jahren. Und dieser wird auch noch genauso ausgestoßen. Die Schadstoffbilanz wird natürlich besser da versucht wird immer effizientere Kraftwerke zu bauen, aber der CO2-Ausstoß bleibt gleich. Es wurden auch schon Versuche gemacht mit CO2-Abscheidung-Verfahren, diese drücken aber den Wirkungsgrad des Kraftwerkes so weit das sie nicht mehr wirtschaftlich sind. Außerdem wohin dann mit dem CO2.

    Die Netzqualität mit Wind Sonne und Wasser zu halten ist wirklich eine große Aufgabe. Die genannte Methode mit den Speicherkraftwerken ist durchaus Richtig. Aber wie auch bereits erwähnt gibt nicht überall Berge für ein Pumpspeicherkraftwerken.
    Alternativen sind aber viele in der Planung. Das genannte Pumpspeicherkraftwerk in einem alten Stollen ist eins davon aber es wird auch mit Luftdruckspeichern oder mit Großen Luftkugeln auf dem Meeresgrund experimentiert, in die Wasser eingelassen und ausgepumpt wird. Da Tief im Meer große Drücke herrschen wäre dies besonders für Offschore-Anlagen Interessant.
    Ein Weiteres Speicherkraftwerk wären Unterirdische Stein-Kolben die mit Wasserdruck angehoben würden. Und entsprechend wieder abgelassen werden könnten.

    Zu der Geschichte, dass es wichtig wäre zu beweisen das es geht… Ganz ohne konventioneller Energieversorgung auszukommen. Stimmt da stimme ich zu.
    Es gibt momentan in Berlin eine Versuchsanlage. Dieser Versuchsanlage Simuliert die Azoren Insel Graciosa. Und soll nur durch Sonne, Wind und Speicher gefahren werden. 2014 Soll dieses Projekt auf der echten Insel Graciosa umgesetzt werden. (Für Batteriemenschen.. dort kommen als Speicher große Natrium-Schwefel und kleinere Lithium-Ionen-Batterien zum Einsatz.

  • Orwell Huxley

    Awesome :D – Dankööööö :)

  • Calimero

    Lieber Lonestarr,

    mir ging es bei der Biomasse-Verbrennung lediglich darum, dass diese halt regelbar ist. Das ist mir lieber als Zufallsstrom mit befohlener Vorfahrt. Das Problem hier ist ganz einfach, dass Biomasse eben nicht mehr nur dort verstromt wird, wo es sinnvoll ist (z.B. an Sägewerken). Durch die Subventionierung treibt das halt seltsame Blüten, wie das Herankutschen von Holzhackschnitzeln aus Liberia, oder Energiemais-Monokulturen. Wer garantierten Absatz zu hohen Preisen hat, kann halt erstmal ein Kraftwerkchen bauen und sich dann später mit den anderen Subventionsjägern um die sinnvollen und irgendwann auch um die unsinnigen Brennstofflieferanten prügeln.

    Zum Thema Feinstaub empfehle ich

    diese Studie

    (ab Seite 38) mit Zahlen von TÜV und Umweltbundesamt. Mal nach dem gesamten anthropogenen Staubaufkommen gucken und dem Anteil von Kraftwerken daran (<4%). Besonders wichtig ist mal der Blick auf die Immissionswerte und deren räumliche Verteilung in Deutschland. Sie werden überrascht sein! ;-)

    Zum Thema CO2: Wenn Ihnen das am Herzen liegt, müssen Sie erst einmal realisieren, dass dieses Spurengas bei jeglicher Oxidation von Kohlenstoff entsteht. Ob nun hierzulande oder anderswo. Das Ziel muss sein, bei einer gezielten Kohlenstoff-Verfeuerung den maximalen Energieoutput zu erreichen. Vulgo: Wirkungsgradverbesserung. Darin sind wir hierzulande Weltklasse, allein weil wir ein rohstoffarmes Land sind.

    Jede Tonne Kohle die nicht wir in Energie umsetzen, sondern irgendjemand anderes auf der Welt verfeuert, wird mit weniger Output verstromt werden. Und solange man weltweit kostengünstig an Kohle herankommt (was noch ein paar hundert Jahre der Fall sein wird) und keine bessere Technik für gezielte Stromerzeugung zur Verfügung hat, wird diese Kohle verfeuert werden. Also auch in CO2 umgesetzt. Es ist jetzt interessant, ob man das mit hohem Wirkungsgrad tut und dabei viel nutzbare Energie herausbekommt (Deutschland ist da wie gesagt technischer Vorreiter), oder ob man die Technik hierzulande verteufelt und dabei zusieht wie in ärmeren Gegenden mit veralteter Technik rumgegurkt wird.

    Deutschen Luxus mit planwirtschaftlicher Zufallstromsubventionierung können sich wohl die allerwenigsten Länder leisten. Am deutschen Wesen wird – wieder einmal – nicht die Welt genesen. Garantiert. Aber wir können einiges dafür tun, dass die Weltstromproduktion von deutschem Ingenieurs-Know how profitieren kann und die fossilen Brennstoffe möglichst effizient eingesetzt werden. Das ist auf Dauer nämlich auch billiger für ärmere Länder.

    Beste Grüße, Calimero

  • theM

    Eine interessante und zugleich unterhaltsame Folge. Ich finde auch Deine Form der Interviewführung extrem gut gelungen – das schaffen nur sehr wenige ein Gespräch so zu führen ohne das es aufdringlich wird. Unbedingt weiter so!

  • piratte

    Ein schönes Lob, vielen Dank dafür. Meine Gäste tragen großen Anteil, denn es ist leicht mit jemandem ein interessantes Gespräch zu führen, wenn diese Person keine Scheu zu sprechen hat. Es bleibt abzuwarten, wie gut ich mich in Gesprächen schlage, in denen ich mir jedes Wort vom Gast erkämpfen muss :)

  • Calimero

    Huch, ich habe gerade erst gesehen, dass die Kommentare bei Übergröße abgeschnitten werden. Den Speicherteil Ihres Kommentars habe ich also soeben erst gesehen, als mir auffiel, dass meine eigene Antwort ein bissl kurz zu sein schien.

    Zur Speicherei ist folgendes zu sagen: Akkulösungen werden wohl ausfallen. Zu teuer, zu aufwändig, nichts für große Kapazitäten. Man denke nur an Handyakkus oder Autobatterien. Und daran wird seit der Entdeckung dieser Speichertechnologie geforscht. Von allen möglichen Branchen, die davon etwas hätten.

    Speicherung mittels potentieller Energie. Wasserspeicher sind eine uralte, bewährte Möglichkeit. Qualität setzt sich halt durch. Wasser ist super zu handhaben (pumpbar), in Hülle und Fülle vorhanden und die Natur bewegt zusätzlich immer riesige Mengen davon per Verdunstung von unten nach oben. Grandios!

    Trotzdem mit einem immensen Flächenverbrauch verbunden. Das angesprochene PSW in Goldisthal hat ein 55 Hektar großes Oberbecken bei 13,5 Mio m³ Speicherkapazität. Für, wie gesagt, 8 Stunden mit 1064 MW. Das ist etwa die Leistung eines Braunkohleblocks (nicht Kraftwerk) der neuesten Generation, welcher allerdings rund um die Uhr läuft.

    Druckluftspeicher: Komprimierte Luft ist ein unheimlich teurer Energiespeicher, weil der Verdichtungsaufwand enorm ist. Wasser pumpt man von A nach B, dann ist es dort auch. Luft hingegen ist durch die Kompressibilität ständig bestrebt wieder zum Ort des geringeren Druckes hinzuströmen. Das bremst z.B. eine geschmeidige Ventilationsdruckerhöhung. Die Verdichter von Gasturbinen fressen z.B. 30-50% des letztlichen Energieoutputs.

    Es bleiben Verdrängungsverdichter. Schrauben- oder Kolbenkompressoren z.B. Haben Sie schon mal eine Fahrradluftpumpe bedient? Eine ganz schöne Ackerei für so ein bisschen Ergebnis, oder? Und dazu wird das Ding auch noch warm. Das sind Verluste! Allein durch die Kompression.

    Heißt, sie brauchen verdammt viel überschüssige Energie um ausgerechnet auf Druckluftspeicher zu verfallen.

    Potenzielle Energie durch feste Massen (Steinkolben)? Das klingt wie Steine an Masten hochzuziehen. Kann man machen. Braucht allerdings eine energiefressende Übersetzung. Goldene Regel der Mechanik: Was man an Kraft einspart, muss man an Weg zusetzen.

    Sollen die Steine jetzt drei Kilometer hoch geschoben werden und in einer halben Stunde den Boden erreichen, oder tun es auch dreißig Meter mit einer irrsinnigen Kraftübersetzung? Sie kommen um die Reibungsverluste nicht herum!

    So muss auch die “Luftkugel” (habe ich noch nie gehört) in der Tiefsee erstmal aufgedrückt werden … und so weiter und so fort. Wasserspeicher sind mE die einzig sinnvolle Universallösung, mit all ihren bekannten Nebenwirkungen. Wenn Sie die in den Untergrund setzen wollen ist auch das machbar, na klar. Aber unterschätzen Sie dabei nie den technischen Aufwand für Aufbau, Wartung, Betrieb und Sicherheit. Es hat schon einen Grund, warum menschliche Aktivitäten vor allem oberhalb der Erdoberfläche stattfinden.

    Zusammenfassend: Die technische Entwicklung hört nicht auf. Wir werden alles immer wieder verbessern und auch völlig Neues ausprobieren, aber die Vorstellung jetzt ganz einfach Dinge lancieren zu können, die bisher noch nicht so recht ins Auge gefasst wurden ist hübsch technik-romantisch, aber nicht unbedingt immer erfolgversprechend. Den Stein der Weisen hat noch keiner gefunden.

    Beste Grüße, Calimero

  • Lonestarr

    Hi,
    Uii da ist aber viel zu lesen gewesen. Hat aber sehr viel Spaß gemacht das durchzugehen. Nunja ich bin ein technik-optimist… Vll nicht immer gut aber es macht eine Menge Spaß sich die ganzen technischen Neuerungen und Theorien anzuschauen.

    Also Zu den Batterien. Du hast recht das Batterien viel zu teuer sind. Aber gerade die Entwicklung im Handy und Auch im seit einiger Zeit in der Automobilbranche bringen immer bessere, günstigere, leistungsfähigere Lithium-Ionen-Akkus hervor. Vll kommt auch irgend so eine Recycling-freak auf die Idee alte ausgedienten Handys ihren Akkus zu berauben und sie zu einem neuen zusammenzusetzen. Wäre dann zwar relativ groß und nicht so Leistungsstark wie ein Neuakku. Aber denkbar wärs. (Eigene Überlegung). Könnte eine Alternative zu den gängigen OPzS bzw. OPzV Batterien sein.

    Aber ich glaube schon das es irgendwann So sein wird das Batterien einen Kleinen Teil der Regelarbeit leisten können. Besonders da der Solarstrom bald Netzparität (Also fürs Einspeisen bekommt man weniger als fürs Kaufen) erreicht, werden private Energiespeicher immer interessanter, da es wirtschaftlich wird den eigenen Strom zu behalten. (Noch viel zu teuer).

    Seit 2010 wird von der Firma Younicos ein Natrium-Schwefel-Akku mit 1MW betrieben, welcher an das öffentliche Netz gekoppelt ist. (JA ich weis 1MW ist nichts) In Japan sind solche Batterien schon länger am Netz
    Natrium-Schwefel-Batterien haben den Vorteil das sie eine ziemlich gute Kapazität haben und nicht so teuer wie die Lithium-Ionen, allerdings muss das Ding die ganze Zeit auf ca. 300 C° Betriebstemperatur gehalten werden. Das drück den Wirkungsgrad auf 85-90%

    Sehr Interessante Batterien als Speicher für das Netz sind die sogenannten Redox-Flow-Batterien. Bei dieser Batterie befinden sich die Stoffe die miteinander Reagieren in Tanks außerhalb der Batterie. Bei Bedarf kann dann einfach die Flüssigkeit in die Batterie gepumpt werden. Auch von son nem Teil gibt es in Japan an einem Solarpark eine 1MW Batterie.

    Das ärgerliche an der Photovoltaik ist auch, dass sie welche am dringendsten Speicher brauchen den Pumpspeicherkraftwerken das Geschäft kaputt machen. Normalweise haben die Pumpspeicherkraftwerke in der Nacht Energie getankt und Tagsüber wenn die Preise hoch waren wieder verkauft. Die schiere Menge an Photovoltaik drückt den Tagespreis aber so weit das die Pumpspeicherkraftwerke unwirtschaftlich werden.
    Mal schauen wann unsere Regierung die Dinger Subventionieren muss.

    Ach ja Vergessen als Speicher eignet sich auch die Herstellung von Wasserstoff. (Aber wie bei so vielem … recht teuer)

    Druckluftspeicher. Es gibt schon zwei Stück. Das Problem mit der Kompressionswärme und der Dekompressionswärmeentzug wird über “adiabate” Speicher umgangen. Da wird die Wärme zwischengespeichert. Genaueres müsste ich recherchieren. RWE baut momentan eine dritte “ADELE” in Sachsen-Anhalt mit 360MWh und einem prophezeiten Wirkungsgrad von 70%.

    Die Kugeln am Meeresgrund werden momentan von Hoch-Tief geplant. Noch in diesem Jahr wollen die eine Prototypen in einem süddeutschen See testen.

    Bei den Unterirdischen Kolben ist glaube ich noch keine Testanlage geplant. Das Konzept kommt allerdings von der US-Firma Gravaty Power.
    Nach deren Rechnung müsste ein Steinkolben mit dem Durchmesser von 30-80m und einem 500m Tiefen Schacht welcher von 37 Bar Wasserdruck angehoben wird 10GWh Speichern können. Also der Kolben nicht der Schacht wird angehoben.

    Also wie man sieht es tut sich was am Batterie und Speichermarkt. Ich bin auf jedenfalls gespannt und verfolge dieses Thema mit Begeisterung und Interesse.

    Apropo man hört ja immer das nur wir in Deutschland uns den Luxus mit Regenerativen Energien erlauben. Vorreiter in Windkraft ist und war Dänemark und den größten prozentualen Ausbau an Windenergie wird in den nächsten Jahren wohl China haben.

    …Rechtschreibung ist nicht meine Stärke….):

  • Lonestarr

    Huhu,

    habe da noch eine kleine Anekdote zur Beleuchtung vor der Glühlampe. Also man hat dort nicht alles mit Kerzenlicht Beleuchtet. Also vor dem Elektrischen Licht wurden vielerorts Gaslampen fest installiert. Man konnte diese auch so Anschalten beim betreten des Raumes. Das Waren dann soo Drehschalter direkt neben der Tür. Frühe Lichtschalter für das elektrische Licht waren genau so gestaltet wie die alten Gas-Schalter. Bei meiner Oma gibts Im Keller noch so Drehschalter. Zwischen Den Gaslampen und den Glübirnen gabs noch Bogenlampen. Als Erfinder wird dafür der Lehrer von Faraday angegeben. Dort wurde ein Lichtbogen zwischen zwei Kohlestiften erzeugt. Hat dementsprechend auch seine Geräusche gemacht.

    Einzug gehalten hat des elektrische Licht zuerst dort wo das Gaslicht versagte. In Theatern zum Beispiel. Da das Gaslicht Sauerstoff verbrauchte wurde es in Theatern wo sich auch noch eine menge Menschen aufhielten sehr schnell sehr unangenehm. Außerdem erhitzte das Gaslicht die Räume stärker als elektrisches Licht und der Ruß ließ Wandgemälde allmählich schwarz werden.

    Darüber hinaus gab es durch die Gasflamme eine erhebliche Brandgefährdung. Bei heutigen Brandschutzauflagen undenkbar. 1881 kamen bei einem Brand im Wiener Ringtheater ausgelöst durch eine Gasflamme 400 Menschen ums leben.

    Also das elektrische Licht, eins der größten und wichtigsten Erfindungen für die elektrische Anwendung.

  • Lonestarr

    Oje ich solle durchlesen bevor ich poste….

    Ach ja … falls von Interesse .. Bei mir hier in Düsseldorf werden die Straßen noch mit Gas Lampen beleuchtet.

  • Calimero

    Lieber Lonestarr,

    danke für die weitergehenden Infos, sehr interessant. Auch wenn ich weiterhin skeptisch bei mechanischen Speichern bin. Werde bei Gelegenheit mal hinterher recherchieren. Zum Wasserstoffspeicher (Windgas) hatte ich mal das Vergnügen mit einem Enertrag-Manager (Hybridkraftwerk: https://www.enertrag.com/projektentwicklung/hybridkraftwerk.html). Ich sage mal so – er sah am Ende nicht mehr unbedingt glücklich aus mit seiner Präsentation. Die ist bei unserer “Fachleute-Runde” ziemlich zerrupft worden.

  • Taunide
  • Taunide

    Piratte wollte superfluidität sehen, Biddeschööööön http://www.youtube.com/watch?v=yBRdBrnIlTQ

  • Taunide

    So, ein so komplexes Thema schreit nach konzentriertem zuhören, deswegen erst so spät ein paar Gedanken.

    Zunächst scheint es mir als müsse ich ein paar meiner Dogmen nochmal etwas genauer hinterherrecherchieren denn einige der Aussagen Calimeros erscheinen mir (medial indoktriniertem Menschen) zumindest diskussionswürdig.

    An ganz erster Stelle, das wird hier nicht chronologisch, steht für mich die Frage ob wir uns nicht gewahr sein sollten das wir momentan die “gut zugänglichen” Fossilen Brennstoffe verblasen. Nehmen wir mal das Öl. Ja, seitdem ich klein war reichte das Öl immer für 40 Jahre. Was aber bei dieser ständigen Verschiebung der Deadline vergessen wird ist das die Ölgewinnung immer komplexer wird und der Energieeinsatz bei der Ölgewinnung immer weiter ansteigt. Zudem auch der Landverbrauch. Wie sähe es denn aus wenn wir die Ölsände aus dieser Rechnung ausnähmen? Oder beim Gas, wer will denn wirklich Fracking als umweltfreundlich bezeichnen? Diese Technologien werden notwendig wenn man seine Förderquote halten möchte. Das es beim Braunkohleabbau auch zu Veränderungen in der größeren Umgebung kommen kann (durchtrennung wasserdichter Schichten und damit Veränderung der Hydrologie der Gesamtumgebung, Eisenverschlammung von Fließgewässern, Grundwasserabsenkung etc) welche auch durch die Renaturierung nicht völlig umgekehrt werden kann darf nicht bestritten werden.

    Das Fossile Rohstoffe einen immer schlechteren Wirkungsgrad bekommen (wenn ich nämlich den Energieaufwand, Materialeinsatz, Transport und Aufbereitung vor der Verbrennung gegen die tatsächlich gelieferte (oder theoretisch maximal mögliche) Energieausbeute aufrechne) ist ein beinahe zwingender Schluß.

    Wie gesagt unsere Energieträger sind verhältnismäßig leicht abzubauen. Ich finde wir sollten dennoch diese Schätze für schlechte Zeiten aufheben und so schnell wie möglich nach Alternativen suchen bzw diese ausbauen. Fall nämlich mal irgendwann eine “Apokalypse” über uns hereinbricht wären wir nicht mehr in der Lage uns energetisch zu versorgen da wir nicht mehr an Brennstoffe herankämen die leicht auszubeuten sind.

    Bei der Bewertung von Energieerzeugungstechnologien sollte meiner Ansicht nach jeweils die Gesamteffizienz betrachtet werden. Also wieviel Energie wird reingesteckt um etwas zu bauen, zu betreiben und dann wieder spurlos zu verschwinden zu lassen, wie sieht es mit der recyclefähigkeit und dem Landschaftsverbrauch aus und wie mit der gesellschaftlichen Akzeptanz. Wobei ich den letzten Punkt als nachrangig ansehe.

    Ich fand die Analogie des Stromnetzes sehr anschaulich und möchte jetzt dasselbe mal weiterspinnen. Durch eine kleinzelligere Stromverteilung dürfte dann doch die “reißfestigkeit” gesteigert werden, oder? Ignorieren wir mal für einen Satz die Regelprobleme. Sollte nicht auch die Ausfallsicherheit gesteigert werden wenn wir viel dezentralen Strom erzeugen? In meinem Heimatort sind Regenwasserzisternen bei Neubauten Pflicht, könnte man nicht auch jedem Neubau eine Speichertechnologie vorschreiben die per Datenleitung mit Ortsverteilzentren kommunizieren und tatsächlich so etwas wie eine niedrige Grundlast erzeugen?

    Ich bin überzeugt das die Speicherung von Energie (egal wie erzeugt) der Schlüssel für eine zukunftstaugliche Stromversorgung ist und das wir nicht aufhören sollte viel Forschung dort hinein zu investieren. Und sei es nur das Handy und der Laptop der davon profitiert.

    Man merkt vielleicht, ich bin wirklich ein blutiger Laie, aber tatsächlich ist mir auf lange Sicht gesehen alles was verbrannt wird unheimlich, Kernenergie auf lange Sicht nicht gut genug zu entsorgen (übrigens: ja, Neutronen verspröden Metalle) und der Umweg über gekochtes Wasser eine zu große Verschwendung.

    Und ganz ehrlich, ich finde eine Technologie bei der wir ohne bewegliche Teile, das wovon wir weltweit unendlich genug haben (Sonne) direkt in das was wir brauchen (Strom) umwandeln können einfach total sexy.

    Gäbe es sowas mit radioaktiver Strahlung wo ein paar Uranklumpen vor sich hin zerfallen und wir zapfen Strom ab hätte ich da auch keine Einwände.

    Insgesamt möchte ich noch sagen: feine Folge die mich mehrfach sehr überrascht hat. Legt doch mal einen nach, zu erzählen gäbe es ja wohl genug.

  • Wow, eine super interessante Folge. Schön, mal etwas “direktes Hintergrundwissen” zu bekommen. Inklusive Einblicke in die ganzen Zusammenhänge und wie sich was auf welche Teile des Stromnetzes auswirken. Sehr schön.

    Überrascht war ich davon, dass die Wind- und Solarenergie eher “stören” und Chaos ins Netz bringen, hätte ich jetzt nicht gedacht.

    Und zu der Sache mit dem Strom aus dem Nachbarland importieren: ich denke, langfristig muss man eh länderübergreifend denken. 2012 hat Deutschland z.B. auch viel Strom exportiert, u.a. auch solcher der aus Wind- und Sonnenkraft gewonnen wurde. Der wurde dann dankbar (weil preiswert) vom Ausland gekauft.

    In schlechten Zeiten wird im Gegenzug dann aus dem Ausland importiert. Siehe auch http://www.dw.de/rekord-beim-stromexport/a-16370208 . Aber vielleicht ist so ein Nehmen und Geben ja gar nicht mal so schlecht und in Kombination mit einer besseren Speichermöglichkeit in naher Zukunft (?) eine gute Lösung für alle.

  • Calimero

    Lieber Taunide, das war mitnichten der Kommentar eines “blutigen Laien”. Im Gegenteil, ich hab mich sehr über das konstruktive Feedback gefreut. :-)

    Aus Zeitgründen möchte ich nur mal einen Aspekt herausgreifen, zu anderem äußere ich mich wahrscheinlich später noch.

    Dass (die Förderung) fossile(r) Rohstoffe per se einen immer schlechteren Wirkungsgrad aufweist ist ein Trugschluss. Ganz einfach deswegen, weil die Technik selbst sich stetig weiterentwickelt. Was heute Stand der Technik ist, war gestern noch hochkomplex und vorgestern sogar (unbekannte) Zukunftsmusik. Morgen dagegen wird es ein alter Hut sein. Der billige Baumarktkram von heute ist wesentlich leistungsfähiger und erschwinglicher als das Profiwerkzeug vor ein paar Jahren.

    Als Analogie nehme ich mal die Wasserschöpfung: Mit einem Eimer zu Fluss zu gehen ist natürlich einfacher, als einen Ziehbrunnen zu graben. Das wiederum ist einfacher als eine Kolbenschwengelpumpe zu bauen und Wasser aus mehrereren Metern Tiefe hochzuholen. Heutige Hochleistung-Tiefbrunnen sind dagegen einfach Stand der Technik. Und die werden auch immer besser und effizienter, – und, wie oft müsste man z.B. mit einem Eimer zum Fluss gehen um eine schnöde Badewanne voll zu bekommen? Was ist da wohl aufwändiger?

    Es ist einfach die Technikentwicklung, die die Effizienz im Detail verbessert. Und das quasi täglich durch ständige kleine Schritte.

    Heutige Kraftwerke sind z.B. wesentlich komplexer als ihre Vorgängerversionen. Aber wenn ich mir mal so ein 60-er Jahre Schätzchen in Erinnerung rufe, dann war da die gesamte Regelungstechnik wesentlich aufwändiger. Da musste man alles noch mit einem hydraulischen System aus diversen Pumpen, mehreren Ölkreisläufen und hunderten von Kraft- und Stellkolben zusammenbasteln. Und das haben die Ingenieure damals noch mit dem Rechenschieber geplant!

    Heute steckt man einfach ein paar Hundert CPU-Karten mit eingebauten Redundanzen in die Leittechnikschränke und gut ist das. Prinzipiell komplexer, wesentlich leistungsfähiger und pflegeleichter, aber trotzdem mit viel weniger Aufwand aufzubauen und zu betreiben.

    Wir unterliegen einem Trugschluss, wenn wir das was wir heute kennen und für zukünftig aufwendig halten(!) auch als gegeben sehen. Das ist ganz einfach nicht so. Vor 30 oder 40 Jahren hatten wir keine Ahnung, wozu wir heute ganz selbstverständlich in der Lage sind. Und heute wissen wir nicht, was unsere Nachfahren (aufbauend auf dem was wir schon entwickelt haben) alles draufhaben werden.

    Was hätten wir heute davon, wenn unsere Vorfahren vor 200 Jahren angefangen hätten mit Bienenwachs zu sparen? Die wussten auch nicht, dass wir irgendwann zum Stearin und zum elektrischen Licht übergehen würden.

    Das blödeste was wir heute machen können, wäre uns selbst in der technischen Entwicklung zu beschneiden, damit unsere Nachfahren “noch etwas davon haben”. Die brauchen das vielleicht gar nicht mehr. Aber was sie auf jeden Fall brauchen werden ist das Fundament unserer Technik, aus dem sie irgendwas weiterentwickeln können. Was auch immer das irres sein wird.

    Heute anzunehmen, dass irgendetwas das wir kennen in der Zukunft noch wichtig sein wird, ist überhebliche Anmaßung von Wissen. Wir können nicht in die Zukunft gucken! Aber wenn ich mir die Vergangenheit so anschaue, entwickelte sich die Technikbeherrschung immer rasanter und selten vorhersehbar. Das Heute linear in die Zukunft zu extrapolieren ist Hybris. Lächerlich eigentlich.

    Die Bronzezeit hat nicht aus Mangel an Bronze ein Ende gefunden. Und wir hätten heute wohl kaum etwas davon, wenn damalige Bronzeverarbeiter ein paar ihrer leichtzugänglichen Erzadern für uns übriggelassen hätten, oder?

    Beste Grüße, Calimero

  • Calimero

    Lieber Nico,

    erstmal danke fürs Lob! Die Sache mit den Stromflüssen über die Grenzen ist eine, mit der wir uns momentan keine Freunde machen. Wir nehmen sozusagen unsere Nachbarn dafür in Haftung, dass wir uns ein pulsierendes Stromnetz in der Mitte Europas leisten. Die Polen bauen sich derzeit schon einen Phasenschieber an eine Grenzkuppelstelle, damit sie unkontrolliert ins eigene Netz fließendem deutschen Windstrom einen Riegel vorschieben können.
    Das Problem ist halt, dass beim Strom die Erzeugung und der Verbrauch stets im Gleichgewicht sein müssen. Unsere Nachbarn müssen das was wir über die Grenze drücken auch selbst ausregeln. Und sie müssen trotzdem noch Leistung vorhalten um uns auszuhelfen, wenn wir wieder mal am Rande des Zusammenbruchs stehen.
    Irgendwann kündigen die uns die Freundschaft, denn es ist eine Sache, wenn man ab und zu überschüssigen Strom geschenkt bekommt (oder sogar noch dafür bezahlt wird, dass man diesen abnimmt – der Zahler dabei sind übrigens Sie, lieber Nico, und ich – wir deutschen Stromkunden), aber oft auch das eigene Netz durch den wildgewordenen Nachbarn gefährdet wird.

    Das ist kein Spaß, wenn man sich ständig auf die Nachbarn verlässt. Klar, die liefern (noch) und die nehmen (noch) ab. Aber nur solange sie das können und wollen. Würden die dagegen selbst auf die Idee kommen, dem deutschen Irrsinnsweg zu folgen, hätte niemand mehr einen verlässlichen Nachbarn der für Im- und Export irgendwelche Pufferkapazitäten stellen könnte.
    Und nochmal, die lassen sich das von uns gut bezahlen. Und das mit Recht!

    Mit den Speichermöglichkeiten an denen einiges (nicht alles) hängt, haben sie recht. Hätten wir sowas im Großmaßstab könnte man einiges ganz anders denken. Das ist aber kein Ding, worauf erst gestern irgendjemand gekommen wäre. Forschung an Stromspeichern gibt’s auch schon seit über hundert Jahren. Da hätten unglaublich viele Anwendungen was davon.

    Bisher sieht es damit aber mau aus. Selbst mein Smartphone muss mindestens einmal täglich an die Dose, und seitdem ich Ingress spiele bin ich sogar noch auf einen externen Akku angewiesen.

    Beste Grüße, Calimero

  • Calimero

    Lieber Taunide,

    wie versprochen noch eine weitere Entgegnung. Sie schreiben:

    Zitat “Sollte nicht auch die Ausfallsicherheit gesteigert werden wenn wir viel dezentralen Strom erzeugen?”

    Genau dadurch wird die Ausfallsicherheit eben nicht gesteigert. Wie ich im Podcast schon erklärt habe, ging die technologische Entwicklung hin zu den größeren Einheiten, welche heute die Ausfallsicherheit bieten die wir gewohnt sind. Das ist eine Frage der Arbeitsteilung. Jeder soll das machen was er am besten kann und sich genau darauf spezialisieren. So funktioniert der Rest der Wirtschaft ja auch, oder betreiben Sie ihren eigenen Mobilfunkmast und haben eine Raffinerie im Keller?

    Das Modell “Dezentralisierung” ist ein romantisch-utopisches, eine verträumte Vision vom möglichen technologischen Backlash. Spielen wir es doch einmal durch.

    Die Variante Einzelversorger: Jeder erzeugt seinen Strom selbst, kleinteiliger geht es nicht. Da ist man schön unabhängig und kann die Kraftwerke abreißen. Okay, aber wie stellt der Einzelversorger seine Energiesicherheit her? Nur Photovoltaik geht nicht, – also noch ein Windrad aufs Dach? Dazu noch ein Keller voller LKW-Batterien? Und für den Notfall noch ein Notstromdiesel nebst Tank?

    Das können Sie für ihr Einfamilienhaus ja vielleicht so planen. Es kostet halt entsprechend und nimmt Platz weg. Außerdem haben Sie da gleich mehrere Sollbruchstellen eingebaut und können sich auf einiges an Wartung und Reparaturen einrichten. Das sollten Sie auch, denn nun sind sie davon abhängig. Ein Netz kann es so nämlich nicht mehr geben. Wären sie mit ihrer Konstruktion mit ihren Nachbarn verdrahtet müssten Sie nämlich überdimensionieren. Der Störungs-Ausfall eines Anrainers zusammen mit planmäßigen Wartungsarbeiten bei zwei anderen und der bekannten Schlampigkeit eines vierten müsste durch die noch funktionierenden Teilnehmer kompensiert werden. Deshalb müssten in einem solchen Kleinnetz alle größer bauen als sie es selbst bräuchten – und das kostete entsprechend.

    Und dies waren jetzt nur die Haushalte mit EFH! Alle Haushalte zusammen verfrühstücken ja nur 25% des Gesamtstromverbrauchs, Was ist mit Handel, Gewerbe, öffentlichem Raum und Industrie? Jedem einen kleinen (überdimensionierten) Energierzeugungspark um den er sich kümmern muss? Das ist Quark, also machen wir’s ‘ne Nummer größer.

    Jedem Dorf seine Energieinsel. Da kann man schon vernetzen. Man könnte jetzt auch schon einen Spezialisten anstellen, der sich um den kleinen Energiepark kümmert. Oder man teilt sich einen mit noch 3-4 anderen Örtchen. Die Überdimensionierung muss nicht mehr ganz so groß ausfallen. Das Problem jetzt ist die mangelnde Flexibilität. So ein kleines Inselnetz muss auf einen bestimmten Verbrauch hin abgestimmt sein. Der ganze aufwändige Erzeugungspark kostet ja was.
    Was aber, wenn der Verbrauch vor Ort steigt? Dann muss man dazubauen. Ein mittelgroßes Unternehmen, welches sich neu ansiedeln möchte, würde eventuell eine Verdopplung der Erzeugerkapazität nach sich ziehen.
    Und was ist, wenn der Verbrauch sinkt? Menschen ziehen weg, ein Unternehmen schließt, irgendwas. Dann stehen sie da mit ihrem überdimensionierten Maschinenpark, der ja immer noch Kosten verursacht. Legen sie diese auf die Restverbraucher um? Dann ziehen eventuell noch mehr Leute weg.

    Also sollte man weg vom Inselnetz und sich mit den umliegenden 10-20 Orten vernetzen, oder? Dadurch wird man flexibler.
    Aber … es dürfte da langsam die Frage aufkommen, ob wirklich jedes Dorf einen eigenen Erzeugerpark haben muss. Ob es Sinn macht, dass da mittlerweile 20 Servicekräfte angestellt sein müssen, die jeden Tag hunderte Kilometer durch die Gegend fahren. Ob es wirklich notwendig ist, dass man sich da mittlerweile eine kleine Energieverwaltung aus 3-4 Bürokraten leisten muss.

    Sollte man das nicht vielleicht lieber großflächiger vernetzen und die Erzeugungskapazitäten bündeln? Sie merken, worauf ich hinaus will, oder? ;-)

    Es hat sich, wie im Podcast angesprochen, genau dahin entwickelt wo wir heute sind. Die Struktur hat einfach Riesenvorteile, weil der Aufwand bei wenigen Großanlagen einfach geringer ist, als bei vielen Kleinanlagen. Zudem müssen diese auch nicht mehr überdimensioniert werden und durch die Höchstspannungsvernetzung ist man in der Fläche einfach unheimlich flexibel. Dem Großkraftwerk ist es vollkommen egal wie sich die Verbrauchsstruktur in 200 km Entfernung entwickelt. Das gleicht sich irgendwo anders wieder aus.

    Kleinteilige, dezentrale Erzeugung ist wesentlich aufwändiger, teurer und verletzlicher. Nur weil so mancher sein Brot gern mal selbst backt, sollte er nicht davon ausgehen, dass man ja locker auf Bäckereien und Supermärkte verzichten könne.

    Weiter schreiben Sie:

    Zitat: “In meinem Heimatort sind Regenwasserzisternen bei Neubauten Pflicht, könnte man nicht auch jedem Neubau eine Speichertechnologie vorschreiben die per Datenleitung mit Ortsverteilzentren kommunizieren und tatsächlich so etwas wie eine niedrige Grundlast erzeugen?”

    Da bekomme ich arge Zahnschmerzen. Warum ich puzzeliges Klein-Klein für den falschen Weg halte, habe ich ja schon beschrieben. Es ist teuer und bringt kaum nennenswerte Beiträge.
    Aber richtig finster wäre es wenn Bürokratien den Bürgern noch mehr vorschreiben sollten, als sie es eh schon tun. Sorry, so ein Hausbau ist eh schon teuer genug und da wollen Sie, dass da noch mehr Auflagen gemacht werden? Unsere heutige Speichertechnologie ist alles andere als Massenware. Was hätten Sie denn da gern behördlich vorgeschrieben?
    Eine Batterie LKW-Akkus im Keller? Einen Schrank voll Notebook-Akkus in einem feuerfesten Raum? Ein kleines Pumpspeicherwerk mit Oberbecken auf dem Hausdach?

    Solchen behördlich vorgeschriebenen Quatsch müssten Sie bezahlen, Sie müssten dann damit leben, Sie müssten das warten und Sie müssen nach ein paar Jahren für den Ersatz sorgen, wenn der Kram ausgelutscht ist.
    Das ist eine völlig andere Dimension als eine Regenwasserzisterne! Sowas baut sich jeder Hobbygärtner von ganz alleine unter seine Dachrinnen-Fallrohre. Weil es billig und einfach ist, und natürlich eine Menge Geld spart.

    Es ist mir unbegreiflich wie manche Leute darauf abfahren, Teil einer Stromregelstruktur werden zu wollen. Es gibt ja die Vision von E-Automobilen, deren Akkus als Pufferspeicher missbraucht werden sollen. Das finden manche Leute toll. Wahrscheinlich, weil sie kein E-Auto haben an dessen “Tankfüllung” die Allgemeinheit nach Gutdünken saugen darf. So kennen sie das Problem der nachlassenden Akku-Kapazität auch nicht, das sie nach wenigen Jahren zum Austausch des teuersten Teils an ihrem Wagen zwingt.

    Smartmeter sind auch so ein tolles Ding, wo sich jeder drüber freut, dass er damit ja zu günstigen Zeiten seine energieintensivsten Geräte betreiben könnte. Dass keiner nachts um drei auf die Idee käme seine Bude zu saugen, nebenher die Wäsche zu machen und noch den Schmorbraten in die Röhre zu schieben, blendet man da völlig aus.
    Im Gegenteil würden die Dinger nämlich eins möglich machen. Die gezielte Leistungseinschränkung, wenn das Wetter nicht so richtig mitspielt. Bis zur unfreiwilligen Mitgliedschaft in einer Lastabwurfschleife könnte das gehen. Herzlichen Glückwunsch!

    Wir sind es so dermaßen gewohnt, dass wir jederzeit jede beliebige Menge Strom zur Verfügung haben, dass wir dies gar nicht mehr wahrnehmen. Darum die (theoretische) Bereitschaft an solchen irren Spielchen teilnehmen zu wollen. Es wäre so manchem Energievisionär mal zu gönnen ein paar Monate in einem Land mit unsicherer, begrenzter Stromversorgung zu verbringen. Und das nicht in einem Hotel mit Pianobar und gekühlten Drinks.

    Beste Grüße, Calimero

  • piratte

    Sehr fein! Danke :)

  • Taunide

    Danke für Deine ausfühlichen Antworten (und wir wollen doch beim im Internet gebräuchlichen “Du” bleiben), meinen Kopf hast Du bekommen, mein Bauch grummelt ganz gewaltig. Da ist die “Umerziehung” wohl recht erfolgreich gewesen. Und mich davon abzubringen es für besser zu halten etwas endliches sparsam zu verwenden und durch etwas schier unendliches zu substituieren wird Dir auch nicht gelingen.

  • Calimero

    Lieber Taunide, gegen Sparsamkeit ist überhaupt nichts einzuwenden. Ganz im Gegenteil sogar. Unser ständiges Gebastel an Wirkungsgradverbesserungen im Kraftwerksbereich ist zum Beispiel diesem Willen zur Sparsamkeit geschuldet. Mit weniger Ressourceneinsatz mehr Output zu bekommen ist ja ständiges Ziel. Stichwort: Kostenführerschaft (nicht: mehr Brennstoff verfeuern).

    Das Gegenteil von Sparsamkeit ist es aber, Ressourcen (Geld, Zeit, Material, Manpower) in Techniken zu investieren, die zwar ideologisch gewollt sind, sich aber nicht selbst wirtschaftlich durchsetzen können. Die dafür verbrauchten Ressourcen fehlen nämlich an anderer Stelle, an der sie sinnvoll eingesetzt werden könnten.

    Betriebs- und volkswirtschaftlich wird ja einzusehen sein, dass man den Euro halt nur einmal ausgeben kann. Wenn aus ideologischen Gründen eine Subventionierung einer nicht marktfähigen Technik erfolgt, ist dieses Geld aber weg. Eine Fehlallokation von Kapital, welches nun nicht mehr dorthin fließen kann wo es wirklichen Nutzen stiften könnte.

    Aber nehmen wir einfach mal die Stromrechnung von Familie Normalverbraucher. Nehmen wir meine eigene. Vor etwa 10 Jahren habe ich nicht ganz 30 Euro im Monat bezahlt – für 2500 kWh. Heute verbrauche ich immer noch 2500 kWh, zahle aber um die 70 Euro im Monat. Dabei sind die Erzeugungskosten in dieser Zeit sogar gesunken, unter anderem, weil wirkungsgradverbesserte neue Kraftwerke die älteren, noch nicht so sparsamen, ersetzt haben (das übrigens obwohl der Umweltschutz-Technikanteil mit jedem Neubau größer, teurer und aufwändiger (auch wirkungsgradfressender) wird!).

    Die mittlerweile 40 Euro Mehrkosten gehen allein darauf zurück, dass der staatlich gelenkte Anteil am Strompreis so exorbitant gewachsen ist. Zum Beispiel durch die Subventionierung von politisch gewollten “Erneuerbaren” und die extrem gestiegenen Netz- und Regelkosten. Auf meiner letzten Rechnung hatte ich sogar einen kleinen Teil für die Absicherung von Off-Shore-Investitionen drauf, und ich bin mir sicher, dass dieser (wie alle anderen Anteile) ebenso exorbitant wachsen wird.

    Nun überlegen wir mal, was ich mit den mehr gezahlten 480 € in diesem Jahr hätte anfangen können. Und mit den vielleicht 420 im letzten, den 380 im vorletzten Jahr … usw.

    Vielleicht hätte ich mir davon irgendwelche energiesparenden Elektrogeräte gekauft, oder irgendetwas anderes von dem ich denke dass es mir nützlich sein würde.

    Das Geld ist aber nun einmal weg. Ich konnte es nicht sparen und nicht sinnvoll investieren. Es steckt irgendwo im Gestrüpp des energiepolitischen deutschen Sonderwegs. Im Portemonnaie deutscher Subventionsjäger und in grünen PR-Kampagnen. Ressourcenverschwendung. :-(

    Beste Grüße, Calimero

    P.S. Das Siezen ist kein Spleen von mir und soll auch keine Distanzierung anzeigen. Es ist lediglich der Ausdruck höflichen Respekts gegenüber Menschen, die ich (noch) nicht kenne. Wie im echten Leben halt. Denn auch im Internet hat man es doch mit Menschen zu tun, oder?

    Aber von mir aus können wir ab hier auch zum Du übergehen. ;-)

  • who cares

    Hallo,

    Kernenergie ist in der Katastrophe nicht zu beherrschen, Uranvorräte sind endlich …
    Dezentrale Energieerzeugung halte ich für richtig, solange die erzeugte Energie auch selbst verbraucht wird und KEINE Rückspeisung ins Verbundnetz erfolgt.

    mfg

    • Gast

      Nur dass die Uranvorru00e4te u00e4hnlich unendlich sind wie die erneuerbaren Quellen: Sie halten (mit der richtigen Technologie) locker noch mehr als 1000 Jahre…